Bio Schmidt-Bleek, Begründer der Dematerialisierung

Bio Schmidt-Bleek, Begründer der Dematerialisierung

Ich durfte Bio Schmidt-Bleek mehrmals besuchen, als er noch in Südfrankreich lebte. Sein Haus lag auf einem Hügel, mit einem herrlichen Blick in die Ferne. Bio hat ein Gespür für das Schöne. Dazu kommt seine Lässigkeit.

Es gibt einen unveröffentlichten Text von Schmidt-Bleek. Darin beschreibt er die Silvesternacht 1989. Zu fortgeschrittener Stunde schlug er als Vater des deutschen Chemikaliengesetzes einem russischen Kollegen die deutsche Umweltgesetzgebung vor. Dessen Antwort war „Njet, erst machen wir zusammen die Marktwirtschaft. Dann werden wir reich in Russland. Und danach können wir uns auch Eure Umweltpolitik leisten”. Schmidt-Bleek war schockiert. Ihm wurde klar, dass mindestens 150 Länder auf der Welt sich einen technischen Umweltschutz wie in Deutschland nicht erlauben können. Erst reich werden, dann erst sauber: für Schmidt-Bleek ein Programm in Richtung ökologischer Kollaps. Dieser Schock war die Initialzündung für seine Idee der Dematerialisierung: Am Anfang der Wertschöpfungskette einfach weniger Natur hineingeben. Allerdings bei gleichem Wohlstand. Die Geburtsstunde seines Faktor 10 – Konzepts.

Damit hat Schmidt-Bleek vielleicht den Paradigmenwechsel in der modernen Umwelttheorie vollzogen. Ich vermute, dass die ihm eigene Souveränität diesen Perspektivwechsel erst möglich gemacht hat. Es hat sich den Blick für das Ganze bewahrt.

Ich habe mit Bio in verschiedenen Projekten zusammengearbeitet, z.B. im Zukunftsrat des Landes Nordrhein-Westfalen, 2003 – 2004.